Warum müssen Meeresschildkröten geschützt werden?

Meeresschildkröten schwimmen seit über 100 Millionen Jahre durch unsere Meere. Sie überlebten die Eiszeit, Dinosaurier und Atomkriege. Sie sahen Riffe verschwinden und Meerestiere aussterben. Und dabei passten sie sich immer wieder ihrer Umgebung an. Doch die Bedrohungen für die Meeresschildkröten sind durch den Menschen so groß geworden, dass heute alle sieben Arten vom Aussterben bedroht sind. Doch welche Bedrohungen sind es genau, denen Meeresschildkröten ausgesetzt sind und vor denen sie geschützt werden müssen?

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Alle Meeresschildkrötenarten sind vom Aussterben bedroht

Meeresschildkröten sind von Natur aus robuste Tier. Sie können mit ihren kräftigen Flossen schnell schwimmen und alle wichtigen Organe werden durch einen Panzer geschützt. Trotzdem sind die Bestände heute stark dezimiert, und das ist alleine uns Menschen zu verdanken.

Erwachsene Meeresschildkröten sind die wertvollsten in einer Population, da sie die nächste Generation hervorbringen. Es ist ein langer, steiniger Weg, bis kleine Meeresschildkröten fortpflanzungsfähig sind. Über mehrere Jahrzehnte dauert das Erwachsenwerden, und die meisten Jungschildkröten sterben, bevor sie alt genug sind. Der Grund dafür ist, dass die Überlebensrate von Jungtieren ist äußerst gering ist. Forscher:innen schätzen, dass nur ein Baby von tausend Geschlüpften überhaupt die Geschlechtsreife erlangt. Meeresschildkröten legen zwar viele Eier, aber betreiben keinerlei Brutpflege. Die Babys sind direkt nach dem Schlüpfen komplett auf sich selbst gestellt und fast jeder Fisch und Vogel ist ihr Feind. Erst ab einer gewissen Körpergröße ändert sich das.

Leider sind es vor allem die erwachsenen Tiere, die Survivor, mit kaum noch natürlichen Feinden, die häufig ein vorzeitiges Ableben durch den Menschen erleben, durch Fischereibeifang und die direkte Wilderei für Fleisch und Schildpatt. Aber auch die Eier werden in vielen Ländern als Delikatesse verkauft und an manchen Stränden verbleibt kein einziges Nest. Dies hat in den letzten Jahrzehnten in vielen Regionen zu riesigen Generationslücken geführt, in denen keine Jungtiere geschlüpft sind.

Direkte Ausbeutung durch den Menschen

Nicht nur natürliche Fressfeinde lauern auf die nährstoffreichen Eier der Weibchen, auch der Mensch liebt sie.  In vielen Ländern plündern Wilderer Nester, um die Eier selber zu verzehren oder zu verkaufen. Sie werden in einigen Ländern zum Kochen und Backen verwendet, haben aber auch den Ruf, die Libido zu fördern.

Doch Wilderer haben es nicht nur auf die Eier abgesehen, viele ältere Tiere werden für den Verzehr ihres Fleisches gefangen und getötet. Unter den verschiedenen Meeresschildkröten wurde die Echte Karettschildkröte über Jahrhunderte bis an den Rand der Ausrottung gebracht, da ihr Panzer, auch als Schildpatt bekannt, in Südamerika, Japan und auch im früheren Europa heiß begehrt war und zum Teil immer noch ist. Das Schildplatt wird für die Herstellung von Brillengestellen, Schmuck und Kämmen benutzt, welche häufig an Touristen verkauft werden.

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Bedrohung durch Fischereibeifang

Hunderttausende von Meeresschildkröten sterben jedes Jahr als Beifang der industriellen Fischerei. Die Tiere verfangen sich in den Netzen, werden dabei stark verletzt und ertrinken häufig qualvoll. Hierbei kommen häufig erwachsene Schildkröten ums Leben, die eigentlich keine natürlichen Feinde mehr haben. Langleinenfischerei, Stellnetze und die Garnelenfischerei sind hier die Hauptverantwortlichen, aber auch sogenannte Geisternetze (Netze, die herrenlos im Meer treiben) sind für den Tod und die Verstümmelung von vielen Meeresschildkröten verantwortlich.

Bedrohung durch Plastikmüll und Verschmutzung der Meere

Eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für Meeresschildkröten und alle anderen Tierarten in den Meeren ist der Plastikmüll und die generelle Verschmutzung durch Düngemittel und Toxine.

Schildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen, und Plastikscherben mit anderen Futterquellen, die eigentlich zu ihrem Speiseplan gehören.

Das gefressene Plastik kann zu Darmverschließungen und auch zu Perforationen führen und führt oft zum Tod. Zudem verheddern sich Schildkröten in Plastiksäcken, Autoreifen, Dosenringen, und andere Plastikteile, was wiederum Verstümmelungen oder den Tod verursachen kann.

Seit ein paar Jahrzehnten plagt ein Art Krebs viele der Meeresschildkrötenpopulationen weltweit. Die Krankheit nennt sich Fibropapilloma (FP) und zeichnet sich durch bösartige Tumore an den Schleimhäuten, weichen Körperteile und sogar den Organen aus, die wie Blumenkohl aussehen. Fibropapilloma wird von einem Virus verursacht, der dem Humanen Papillomavirus (HPV) oder dem humanen Herpesvirus (Herpes simplex) ähnelt. Die Tumore treten, ähnlich wie bei den menschlichen Viren, gerade in Tieren auf, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Vor allem Populationen, die in Gewässern mit hohen Konzentrationen von Düngemittel und Pestiziden schwimmen, sind durch (FP) betroffen.

Bedrohung durch den Klimawandel

Der Klimawandel ist ein weltweites Problem, das ganze Ökosysteme und auch uns Menschen bedroht. Meeresschildkröten sind hier keine Ausnahme.

Durch die steigenden globalen Temperaturen wird die Inkubation von Nestern immer schwieriger, da viele Strände zu heiß sind und die Embryonen sterben. Zudem wird das biologische Geschlecht bei Meeresschildkrötenbabys durch die Inkubationstemperatur bestimmt.  Niedrigere Temperaturen erzeugen mehr Männchen, höhere Temperaturen mehr Weibchen (coole Jungs und heiße Mädchen).  Viele Populationen produzieren schon seit mehreren Jahren fast 100 % Weibchen, was in Zukunft zu einem Mangel an Männchen führen kann. Das Resultat wären unbefruchtete Eier und Bestände, die nicht aufrechterhalten werden und sich auch nicht mehr erholen können. Hinzukommt, dass durch den Anstieg des Meeresspiegels komplette Niststrände verschwinden.

Es liegt in der Verantwortung des Menschen, Meeresschildkröten zu schützen

Wir Mensch tragen die Hauptverantwortung dafür, dass Meeresschildkröten heute vom Aussterben bedroht sind. Somit liegt es auch in der Verantwortung von uns Menschen, diese Tiere zu schützen und ihren Erhalt zu sichern.

Costa Rica ist immer noch ein Mekka für Meeresschildkröten. Fünf der sieben Arten nisten an den Stränden. Aber leider sind auch in Costa Rica Meeresschildkröten nicht vor der Bedrohung des Menschen sicher und Naturschutz ist massivst unterfinanziert.

Aus diesem Grund unterstützt ProMar e.V. Organisationen vor Ort, die sich für die Forschung und den Schutz dieser bedrohten Tiere einsetzen.

Die durchgeführten Schutzmaßnahmen umfassen nächtliche Patrouillen an den Stränden, um Wilderer daran zu hindern, Nester auszuräumen und Weibchen zu töten. Gelegte Eier werden verlegt und versteckt, damit mehr Jungtiere schlüpfen können. Zudem wird ein großer Schwerpunkt auf die Restaurierung von natürlichem Habitat gelegt, Umweltbildung und die generelle Mitigation von den Effekten des Klimawandels und der Verschmutzung unserer Meere.

Es werden Daten erhoben, die den Bestand über Jahrzehnte hinweg überwachen und Schutzmaßnahmen verbessern können. Zudem arbeiten unsere Organisationen mit den lokalen Fischern zusammen, um bessere Fangtechniken zu entwickeln, die zum Schutz der Meeresschildkröten beitragen.

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist außerdem der Umweltunterricht in den lokalen Schulen, in denen die nachkommenden Generationen für einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt sensibilisiert werden, was auch den Konsum und Umgang mit Plastikprodukten miteinschließt. Mit unserem Ansatz hoffen wir, die Meeresschildkrötenbestände in Costa Rica vom Aussterben retten zu können.

Helfen Sie mit und unterstützen Sie Projekte in Costa Rica

Schutzmaßnahmen für Meeresschildkröten in Costa Rica sind nicht nur zeitaufwendig, sondern auch kostspielig. Aus diesem Grund benötigen wir Ihre Unterstützung. Helfen Sie uns dabei, einen nachhaltigen Schutz für diese großartigen Tiere vor Ort zu gewährleisten und sicherstellen, dass Meeresschildkröten auch in Zukunft noch durch unsere Meere streifen.